Oder: “Und ich dachte immer, WhatsApp und Telegram sind sicher!?”

Sicher ist, dass WhatsApp die unverschlüsselten Metadaten sammelt und gewinnbringend auswertet und einsetzt. Sicher ist, dass Telegram nur dann Ende-zu-Ende verschlüsselt, wenn man des explizit im versteckten Menü auswählt. Das wissen oder nutzen die wenigsten.

Alternativen - die Kurzfassung

Die Entwicklung von Element ist inzwischen weit fortgeschriftten. Es steige um, wer es innovativ will, offen ist für eine offene Zukunt, seinen Anbieter selbst auswählen möchte, weder Email-Adresse noch Handynummer hat oder bei der Registrierung angeben will und womöglich plant, seinen eigenen Server zu betreiben. Es gibt - wie bei Email-Diensten auch - öffentliche und auch kostenlose Server-Anbieter. Sowohl die französiche Regierung als auch die Bundeswehr setzen auf Element. Wer Fragen zur Einrichtung hat - ich helfe gerne und zu (fast) jeder Zeit.

Meine Empfehlung, da Anbieterunabhängig (wie beim Email-Provider): Steige um auf Element

Wer eine App will, deren Arbeitsweise geläufiger ist: Steige um auf Signal. Es sind Metadaten, Nachrichten, Gruppenchats, Sprachnachrichten, …einfach alles verschlüsselt. Nachteil, ebenso von WhatsApp & Co. bekannt: Man ist an den zentralen Anbieter Signal gebunden.

Signal

Wunderbare Lektüre zum Einstieg in das Thema der IT-Giganten:

Es gibt sie, die Alternativen - längere Version

Signal

“Der Messenger (Signal) ist die erste Wahl für jeden, der wegen Datenschutzbedenken weg von Whatsapp will”, erklärt IT-Experte Mike Kuketz im Gespräch mit dem stern. “Es gilt als der derzeit ­sicherste Messenger und steht glaubwürdig für Privatsphäre ein.”

Signal wurde von einer gemeinnützigen Stiftung entwickelt, die sich aus Spendengeldern finanziert. Zu den prominentesten Fürsprechern gehören Whatsapp-Gründer Brian Acton und Geheimdienst-Kritiker Edward Snowden. Viele Experten halten Signal für den sichersten Kurznachrichten-Dienst überhaupt: Der Quellcode ist öffentlich verfügbar (Open Source) und damit für jeden einsehbar. Etwaige Schnüffelfunktionen und Sicherheitslücken würden also sofort entdeckt. Bei Signal sind auch die Gruppenchats vor fremden Blicken geschützt. Weder der Anbieter noch irgendjemand sonst kann mitlesen oder -hören: Nicht nur die Kommunikation selbst, sondern auch die Metadaten sind verschlüsselt.

Matrix bzw. Element

Wer die volle Kontrolle über seine Daten haben und nicht im “Walled Garden” eingesperrt sein möchte, setzt einen eigenen Matrix-Server und z.B. Element ein. Die Registrierung ist ohne Handynummer oder Email-Adresse möglich (je nach Server-Konfiguration). Das standardisierte Protkoll bindet die Nutzer nicht an einen Anbieter, sondern lässt die freie App-, Server- und Anbieterwahl. Für Emails ist das schon lange selbstverständlich.

Und warum nicht WhatsApp?

Warum ich Signal und Element nutze, habe ich nun kurz erklärt. Das erklärt noch nicht, warum ich WhatsApp NICHT nutze. Also los:

WhatsApp verschlüsselt die Metadaten nicht - warum sind die Meta-Daten für Konzerne so interessant?

Meta-Daten verraten viel über die Nutzer. Schickt man jemanden nachts um drei eine Sprachnachricht, sagt das viel über die Beziehung zwischen den Personen aus. Mit losen Bekannten kommuniziere ich anders als mit engen Freunden. Ein anderes Beispiel: Viele Eltern sind in Whatsapp-Gruppen angemeldet, in denen etwa geklärt wird, wer für das nächste Sommerfest der Schule die Kuchen backt. Allein dadurch kann Facebook - der Konzern hinter Whatsapp und Instagram - in Kombination mit Daten aus seinen anderen Diensten ableiten, dass diese Menschen alle Kinder im selben Alter haben, die höchstwahrscheinlich auf dieselbe Schule gehen. Mit diesen Daten kann man nicht nur das private, sondern auch weite Teile des beruflichen Umfelds abbilden.

Das Problem bei Messengern ist dasselbe wie bei sozialen Netzwerken: Gibt es erst einmal eine Mehrheit im Freundeskreis, die einen bestimmen Dienst nutzt, entsteht sehr schnell ein sozialer Druck, diesen Dienst auch zu nutzen. Dann treten automatisch etwaige Bedenken beim Datenschutz und der Sicherheit zurück. Menschlich ist das absolut nachvollziehbar. Aber die Unternehmen nutzen diese soziale Drucksituation schamlos aus, weil sie quasi eine Monopolstellung haben. Ich wünsche mir deshalb, dass die Politik stärker reguliert, sodass wir bessere Nutzungsrechte für alle haben.

Telegram

Signals größte Konkurrenz unter den Whatsapp-Alternativen ist Telegram. Entwickelt wurde der Dienst, der mittlerweile mehr als 200 Millionen Nutzer hat, von den russischen Brüdern Pavel und Nikolai Durov, die zuvor bereits mit dem russischen Facebook-Pendant VKontakte für Aufsehen sorgten. Mittlerweile befindet sich der Unternehmenssitz in Dubai.

Die App ist ­übersichtlich gestaltet und funktioniert ebenfalls cloudbasiert, also auf mehreren Geräten. ­Es gibt jedoch einen entscheidenden Haken: Telegram wirbt zwar mit einer mächtigen Ende-­ zu-Ende-Verschlüsselung, allerdings ist diese standardmäßig nicht ­aktiviert. Bei Gruppen-Unterhaltungen ist sie gar nicht möglich.

Die Verschlüsselung ist zudem eine Eigenentwicklung und im Gegensatz zu Signal nicht Open Source, also nicht für jeden nachvollziehbar. Ein No-Go für Datenschutzexperten. Denn wie heißt es so schön: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Wer aus Gründen der Privatsphäre gegen Whatsapp optiert, findet in Telegram deshalb keine adäquate Alternative.

Quellen:

Weitere Referenzen:

Messenger:

Links aus dem Text oben:

Zusammengetragen von Felix Hosenseidl, Matrix-ID @hof:yatrix.org, Email info@yatrix.org